210 FORSCHUNGEN UND FORTSCHRITTE
14, Jahrg. Nr. 18
Selbstverständlieh wäre es gewagt, damit die Herstellung
von Teppichen in Konstantinopel ganz abzulehnen. Die
Berufung der elf Meister im Jahre 1585 und die Erwähnung
eines „Hauses der Teppichmacher“ bei Ewliya Tschelebi
zwingen uns, mit der Möglichkeit zu rechnen, daß auch in
Istanbul, vielleicht nur für den engsten Bedarf des Serails,
Teppiche gefertigt wurden. Die Mehrzahl der heute noch als
Erzeugnisse einer türkischen Hofmanufaktur unbekannter
anatolischer Provenienz bezeichneten Teppiche aber dürfte
nach den Aussagen der Quellen in Kairo entstanden sein,
wo sie sich im Laufe des 16. Jahrhunderts aus den dort seit
der Mamlukenzeit heimischen geometrischen „Damaskus-
teppichen“ entwickelten.
Neues zu den ältesten Bearbeitungen
der Geschichte des Welfenhauses
Von Prof. Dr. Erich König, Universität Tübingen
Die Reihe der vorhandenen Darstellungen der ältesten Ge-
schichte des Welfenhauses wird eröffnet durch die „Gencalogia
Welforum“ (Mon. Germ. hist., Seript. 13, 733 £.), entstanden
wahrscheinlich bald nach dem Tode Heinrichs des Schwarzen
(13. Dezember 1126) in der nächsten Umgebung seines jün-
geren Sohnes Wel£ VI., des Erben der schwäbischen Welfen-
‚lande, der als „Welfo noster‘‘ bezeichnet wird. Nur wenig
Jünger als diese knappe Aufzeichnung dürfte eine zweite,
schon etwas ausführlichere Bearbeitung des gleichen Stoffes
sein, die selber verloren, aber in zwei Ableitungen noch zu-
gängliceh ist. Es ist jene Welfengenealogie, die der sog.
Annalista Saxo in sein bald nach 1152 abgeschlossenes
großes Geschichtswerk (Mon. Germ. hist., Seript. 6, 764) auf-
genommen hat und der wir ungefähr hundert Jahre später
im vierten Anhange zu einer — wohl im St. Michaels-Kloster
zu Lüneburg verfaßten — Umarbeitung der Sächsischen Welt-
ehronik des Eike von Repgow in anderem sprachlichen Ge-
wande noch einmal begesnen (Mon. Germ. hist, Deutsche
Chroniken 2, 274 ff.). ‚Dieser niederdeutsche Text stimmt
mit dem lateinischen des „Sächsischen Annalisten“ inhaltlieh
bis in die Einzelheiten so vollständig überein, daß man zu-
nächst versucht ist, ihn für eine bloße Übersetzung des
älteren zu halten. Das kann er aber schon deshalb nicht
sein, weil er, wie schon sein Herausgeber Ludwig Wei-
land bemerkt hat, an einer Stelle, die beim Annalista Saxo
in allen Handschriften, auch in der noch vorhandenen Ur-
schrift (Paris, Bibl. nationale, Ms. 11851 fol. 230 "), infolge
des F'ehlens einiger Wörter unverständlich ist, einen vollstän-
digen, einwandfreien Wortlaut bietet.
Die aus diesem Sachverhalt sich ergebende Annahme, daß
beide Texte auf die gleiche, heute verschollene Vorlage zu-
rückgehen, wird vollends als richtig erwiesen dureh folgende
Beobachtung: Unsere Texte weichen noch an einer zweiten
Stelle um ein Geringes voneinander ab. Sie findet sich in
der von beiden gebrachten Sage von dem Welfen Heinrieh
mit dem goldenen Pfluge (Brüder Grimm, Deutsche Sagen
Nr.524f.), n der erzählt wird, wie Heinrich gegen den
Willen seines Vaters Eticho Kaiser Ludwigs, seines Schwa-
gers, Vasall ward und wie er dabei auf listige Weise den
Lehenbesitz seines Geschleehtes in der Gegend von Ravens-
burg über das ihm zugedachte Maß hinaus zu mehren ver-
stand. Die niederdeutsche Fassung dieser Erzählung läßt die
dem Kaiser abgewonnenen Güter richtig in Schwaben („an
Swaven‘) gelegen sein, der Annalista Saxo dagegen ‚in terra
sue uxoris“, also, da des Kaisers Gemahlin ja Heinriehs
Schwester war, im schon vorher welfischen Gebiet. Das kann
unmöglieh stimmen. Und die Ortsangabe des Annalisten ist
denn auch nichts anderes als ein Lesefehler: Er hat die in
seiner Vorlage stehenden Worte „in terra suewor(um)“
falsch gelesen als „in terra sue uxor(is)‘“, ein Verschen, das
bei der damaligen Schreibung des Buchstaben w als vv (un),
bei der oft vernachlässigten Worttrennung und der Mehr-
deutiekeit der Abkürzung für die Endung „-rum“ leicht er-
klärlieh ist. .
Damit ist endgültig erwiesen, daß dem Annalista Saxo
und dem Verfasser der der Sächsischen Weltehronik an-
gehängten Welfengenealogie die gleiche, in lateinischer
Sprache abgefaßte Aufzeichnung über die älteste Geschichte
des Welfenhauses vorgelegen hat, die während des zweiten
Viertels des 12. Jahrhunderts entstanden sein muß.
Wer die zwischen 1167 und 1174 entstandene „Historia
Welforum“, die erste mittelalterliche Chronik, die aus-
schließlich der Geschichte eines Fürstengeschlechtes gewidmet
ıst, verfaßt hat, ist nirgends überliefert. Sie galt aber bis
vor wenigen Jahren allgemein als das Werk eines Mönches
aus Weingarten, dem vornehmsten welfischen Hauskloster
und wurde darum auclı gewöhnlich als „llstoria Welforum
Weingartensis“ bezeichnet. Obwohl manches in Ihrem Inhalt
gegen diese Annahme sprach, glaubte man doch, an ihr fest-
halten zu dürfen, vor allem, weil die älteste und beste aller
bekannten Handschriften nachweislich aus jener Abtei stammt
So schuf erst das Auftauchen einer weiteren, von Konrad
Peutinger und Johannes Aventinus noeh benützten, seitdem
aber völlig verschollenen Handschrift aus dem bayrischen
Welfenkloster Altomünster (seit 1919 als Ms. Iat. Quart. 795
im Besitz der Preuß. Staatsbibliothek in Berlin), die ungefähr
ebenso alt und textlich besser ist als die Weingartner, für
die Beantwortung der Verfasserfiage eine neue Sachlage
Helene Wieruszowski hat im 49, Bande des „Nenen
Archivs‘ (1930) über diesen Codex beriehtet und im An-
schluß daran im einzelnen nachweisen können, daß der
Chronist des Welfenhauses nieht länger unter den Wein-
gartner Mönchen gesucht werden darf.
Im Rahmen der Vorarbeiten für eine im Auftrage der
„WVürttembergischen Kommission für Landesgeschichte‘
unternommenen Neuausgabe des Werkes auf Grund der Alto-
münsterer Handschrift?) habe ich die Frage nach seiner
IIerkunft nochmals eingehend untersucht. Ich bin dabei zu
dem gleichen, noch durch weitere Gründe gestützten Ergebnis
gekommen wie H. Wieruszowski, daß die Historia Welforum '
nicht aus Weingarten stammen kann, Deren Entstehung aber
in eines der bayrischen Welfenklöster, etwa nach Altomünster
zu verlegen, scheint mir ebensowenig zulässig zu sein. Es fehlt
nämlich in dem Werke nicht an deutlichen Anzeichen dafür
daß der Verfasser im schwäbischen Welfengebict (Ravens-
burg — Altdorf) seinen Standort gchabt hat, und so manches
in seiner Darstellung spricht entschieden gegen die Annahme
er sei ein Mönch gewesen. Denkweise und Sehreibart weisen
ihn vielmehr als einen Mann aus, der, ähnlich wie der Autor
der „Genealogia Welforum‘“, ganz und gar vom Standpunkte
des Welfenhauses aus sprieht und sich häufig mit ihm ge-
radezu gleichsetzt. Man wird also am ehesten an einen Welt-
geistlichen denken müssen, der im persönlichen Dienste
Welfs VL, des eigentlichen Helden der späteren Teile der
„tHistoria“, gestanden, an seinem Hofe — etwa als Kaplan
oder Kanzler — eine Vertrauensstellung innegehabt; hat.
In die gleiche Richtung weist uns eine bestimmte Stelle
im 31. Kapitel des Werkes, Hier wird nämlich der Bodensee
nicht wie sonst „lacus Podamieus“, sondern „lacus Lemannus“
genannt, ihm also ein Name beigelegt, unter dem sonst immer
der Genfer Sce zu verstehen ist, Offenbar wollte der Ver-
fasser, angeregt dureh eine Bemerkung Ottos von Freising
(Gesta Frideriei I, cap.8), wo der Name Lemannus unter
Beziehung auf die Limmat mit dem Alemannennamen
(A-Iemannia!) in Zusammenhang gebracht ist, den Bodensee
als den alemannischen See bezeiehnen. Zu dieser in der
Literatur einzig dastehenden Umtaufe gibt es nun ein Gegen-
stück in einer am 25. Dezember 1179 auf der \ elfenburg
Altdorf (Weingarten) in Gegenwart Welfs VI. ausgestellten
Urkunde Herzog Friedrichs V, von Schwaben, in der sechs
dem Nordufer des Bodensees benachbarte Dörfer als „eiren
lacum Lemannum‘ gelegen bezeichnet werden (Wirt. Ur-
kundenbuch 2, 204 ff). Dieses Zusammentreffen der
„Historia“ mit einer nur wenige Jahre später am schwäbi-
1) Historia Welforum Ne herausgegeben, über-
setzt und erläutert von Erich König. XXVIIL 154 g
mit einer Abbildung und zwei Stammtafeln. Verlag von
W. Kohlhammer, Stuttgart und Berlin 1938. (Schwäbische
Chroniken der Stauferzeit. Bd.1.) |
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14, Jahrg. Nr. 18
20. Juni 1938
schen Welfenhofe abgefaßten Urkunde in einer ganz un-
gewöhnlichen Benennung des Bodensees ‚kann kein Zufall
sein. Es läßt sich am leichtesten erklären durch die An-
nahme, daß an beiden Stellen der gleiche Mann die Feder
geführt hat. Aber selbst wenn man sich die merkwürdige
Übereinstimmung in einem einzig dastehenden Sprachgebrauch
auf etwas weniger einfache Weise zustandegekommen denkt,
auf alle Fälle wird man zu dem Ergebnis gelangen, daß
beide Texte aus demselben Personenkreise, der näheren Um-
gebung Welfs VI., hervorgegangen sein müssen. Unsere zu-
nächst auf anderem Wege gewonnene Ansicht, daß ein Hof-
geistlicher die Geschichte des Welfenhauses geschrieben haben
dürfte, wird damit bekräftigt.
Eine bestimmte Persönlichkeit dafür in Anspruch zu
nehmen, gestattet die Dürftigkeit der Überlieferung nicht.
Von des Herzogs Kanzlern ist uns nur einer dem Namen —
aber nur dem Namen — nach bekannt: Ein „Heinrieus
eancellarius dueis“ hat in Italien im März und
April 1160 Welfs VI. Urkunden für Lucca und für die
Domherren von Pisa ausgefertigt. Vielleicht ist er dem
„Heinrieus eapellanus ducis“ gleichzusetzen, der in einer
Urkunde für Guastalla (datiert: Ravensburg, 12. April 1154)
und — wie ich nachträglich feststellen konnte — als „Hein-
rieus de Mammingen“ auch in einem am gleichen Orte genau
einen Monat später einem lombardischen Kloster erteilten
Schutzbriefe?) als Schreiber genannt ist. Etwas mehr wissen
wır von einem späteren Hofkaplan Welfs VL, von Mane-
gold, der 1204 als Propst des Prämonstratenserstiftes
Marchtal gestorben ist. Er galt als großer Gelehrter und
hatte auch einmal eine Schule in Kaufbeuren rühmlich ge-
leitet. Aber auch bei ihm fehlen sichere Anhaltspunkte, die
uns berechtigen würden, ihm die Abfassung der „Historia
Welforum‘“ auch nur vermutungsweise zuzuschreiben, so daß
wir uns mit dem oben festgestellten, weniger bestimmten
Ergebnis bescheiden müssen.
Mittelalterliche Adventberechnungen
Von Prof. Dr. Josef A. Jungmann,
Universität Innsbruck
In mittelalterliehen Urkunden ist der Martinstag
(11. November) einer jener Tage, die in der Datierung eine
besondere Rolle spielen, und im Volksbrauch reicht eine ge-
wisse Auszeiehnung dieses Tages bis in die Gegenwart
herein — nicht allein dureh die „Martinsgans“. Wie längst
bekannt, hängt diese Auszeichnung des Martinstages zu-
sammen mit einer alten Adventbereehnung. Diese tritt uns
zuerst in der Verfügung des Bischofs Perpetuus von Tours
GT 490) entgegen, derzufolge mit dem Tage des hl. Martinus
ein auf Weihnachten vorbereitendes Fasten einsetztet), so
daß sich für den Martinstag oder ursprünglich wohl für den
„Martinsabend“ "etwas wie Karnevalstimmung ‘ergab. Das
genannte Fasten kehrt das ganze Mittelalter hindureh, zu-
nächst in den nördlichen Ländern, an vielen Stellen wieder
unter dem Namen Quadragesima sancti Martini, ein Name,
der sofort die Parallele zu der auf Ostern vorbereitenden
vierzigtägigen Fastenzeit erkennen läßt. Auffällig ist nun,
daß ein vierzigtägiges Fasten vor Weihnachten nicht auf
den 11,, sondern auf den 15. November als Ausgangspunkt
führen müßte, daß aber gleichwohl der 11. (im späteren
Mittelalter wohl auch der 12.) November als Ausgangspunkt
durchaus festgehalten wird. Die Erscheinung wird nicht da-
durch erklärt, daß man sagt, es handle sich um eine Spanne
von rund 40 Tagen?) oder um eine Nachbildung der sechs
Fastenwochen vor Ostern®); denn auch im letzteren Falle
dürften es nur 42, nicht 44 Tage sein. Außerdem finden wir,
daß man im christlichen Altertum die Quadragesima zwar
®) Vgl. H. Kalbfuß, Urkunden und Regesten zur Reichs-
geschichte Oberitaliens: Quellen und Forsehungen aus italieni-
schen Archiven und Bibliotheken 15 (1913) 8. 61 ff,
*) Gregor von Tours, Hist. Frane. X, 31, 6. |
=) F, Cabrol, Art. „Avent‘“: Diet. d’Arch6ol, Ohröt. et de
Liturgie I, 3234,
®) R. B. Pierret, Les Questions liturgiques 17 (1932) 276.
FORSCHUNGEN UND FORTSCHRITTE 211
auf verschiedene Weise berechnet, aber immer Wert darauf
gelegt hat, eben die biblische Zahl 40 einzuhalten.
Die Erklärung ist vielmehr zu suchen in den Einrichtungen
der alten Kirche®), in einer Adventäuffassung, in der der
Advent nicht auf Weihnachten, sondern auf das zweite und
ältere Hauptfest des Weihnachtsfestkreises, Epiphanie, vor-
bereiten sollte, und in einem Fastensystem, in dem eine
Quadragesima nicht aus 40 aufeinanderfolgenden Tagen auf-
schaut wurde, sondern aus acht Wochen zu je fünf Fast-
tagen. 8 Wochen =56 Tage, das ist dann genau die Zeit-
spanne vom 11.November bis 5. Januar. Die damit ge-
machten Voraussetzungen lassen sich nun tatsächlich für den
kirchlichen Bereich, aus dem die Adventquadragesima stamnat,
für die gallische Kirche des fünften bis sechsten Jahrhunderts
als gexeben erweisen. Zunächst muß Epiphanie hier um die
genannte Zeit das Übergewieht gegenüber Weihnachten be-
sessen haben, das erst um die Mitte des vierten Jahrhunderts
zu Rom entstanden ist. Für die Begehung von Weihnachten
liegen aus Gallien erst seit dem Ende des fünften Jahr-
hunderts Nachrichten vor (u.a. die Taufe Chlodwigs), wäh-
rend man Epiphanie zu Vienne schon im Jahre 363 gefeiert
hat. In der Folge wird Epiphanie gelegentlich neben Ostern
und Pfingsten als dritter Tauftermin genannt (so ausdrück-
lich um 780 noch im Sakramentar von Gellone), was gleich-
falls auf einen ehemals höheren Rang des Festes schließen
läßt; gerade als Tauftermin rückte Epiphanie neben das
Osterfest und konnte gleich diesem eine vorbereitende Qua-
dragesima erhalten. Die andere Voraussetzung betrifft ein
Fastensystem, in dem sich die Quadragesima aus acht Fasten-
wochen aufbaut. Das System der acht Fastenwochen zu Je
fünf Fasttagen in der Weise, daß in der österlichen Quadra-
eesima neben dem Sonntag auch der Samstag vom Fasten
auseenommen blieb, war im Orient schon im vierten Jahr-
hundert geläufig; es ist gerade eine gallische Pilgerin, die uns
darüber aus Jerusalem Kunde gibt, Aus Gallien selbst be-
sitzen wir vom fünften bis achten Jahrhundert mehrfach
Nachrichten, denen zufolge man sich auch hier gegen ein
Samstagfasten sträubte, wie es die nunmehr vordringende
römische Praxis mit sich brachte, die nur den Sonntag Trei-
hielt. Dabei ist freilich zunächst nur von der von jeher im
Vordergrund stehenden österlichen Quadragesima ‘die Rede,
die allein in Rom bekannt war; aber es ist klar, daß man
dieselben Grundsätze auf die weihnachtliche Quadragesima
angewandt hat. Dann ergab sich aber der 11. November als
Tag, an dem, diese Quadragesima zu eröffnen war.
Diese Adventordnung ist freilich früh durchbrochen wor-
den, eben dureh die Einführung des Weihnachtsfestes. So
sah man sieh veranlaßt, neue Wege einzuschlagen. In Spanien
ist eine Adventordnung deutlich nachweisbar (im Orient ist
sie bis heute in Geltung), die einfach vom Heiligen Abend
vierzie Tage zurückzählt, den Advent also mit dem 15.N o-
vember beginnt. So erhielt man eine Adventquadragesima,
die nın freilich nicht vierzig Fasttage, aber vierzig Tage
umsehloß, von denen bestimmte Tage Fasttage waren. Es
sind aber auch Spuren vorhanden von einem Adventsystem,
bei dem man die Acht-Wochen-Quadragesima, die früher auf
Epiphanie vorbereitete, nun dem Weihnachtsfest vorhergehen
ließ. Doch scheint dabei eine Abrundung in der Weise erfolgt.
zu sein, daß nieht der 30. Oktober, sondern der 1. No-
vember als Eröffnungstag bestimmt wurde®).
Eine merkwürdige Adventbereehnung ıst um 800 in der
iriseh-schottischen Christenheit bezeugt ®). Der Advent begann
hier am 13.November, dauerte also 42 Tage oder sechs
Wochen. Dieser Seehs-Wochen-Advent war nun tatsächlich
eine Nachbildung einer Sechs-Wochen-Quadragesima vor
Ostern. Die Quadragesima vor Ostern dauerte zwar immer
vierzig Tage, aber ursprünglich in der Weise, daß diese
4) Vgl. des Verfassers Abhandlung „Advent und Voradvent.
Überreste des gallischen Advents in der römischen Liturgie‘ :
Zs.f. kath. Theologie 61 (1937) 341-390. (Auch als Sonder-
druck bei F. Rauch, Innsbruck.)
5) Advent und Voradvent, S. 356f.
6) The Martyrology of Oengus ed. Wh, Stokes (H. Bradshaw
Society vol. 29) 234. |